Über die KONTEC 2007*

Vom 21.-23. März 2007 fand erstmals in Dresden die KONTEC 2007 – 8. Internationales Symposium „Konditionierung radioaktiver Betriebs- und Stilllegungsabfälle“ einschließlich 8. Statusbericht des BMBF „Stilllegung und Rückbau kerntechnischer Anlagen“ statt. Mit rund 650 Teilnehmern aus 17 Ländern konnte diese im 2-jährigen Rhythmus stattfindende international etablierte Fachveranstaltung wiederum auf ein gesteigertes Teilnehmerinteresse an den präsentierten und diskutierten Themen verweisen. Das gemeinsam mit der Fachgruppe „Stilllegung und Entsorgung“ der Kerntechnischen Gesellschaft organisierte Symposium machte mit den nationalen und internationalen Fachbeiträgen zu den einzelnen Schwerpunktthemen auch die wachsende Bedeutung der betreffenden Fachgebiete deutlich. Dabei belegen die Vorträge, dass die Behandlung radioaktiver Abfälle sowie der Rückbau kerntechnischer Anlagen – bis hin zur „Grünen Wiese“ – natürlicher Bestandteil des Anlagenlebenszyklusses in der Kerntechnik sind und planbare, lösbare, eingeplante und in der Umsetzung befindliche Schritte. Im Detail gehören dabei die Technologien mit Anwendung fortschrittlichster Verfahren und auch weiterem nutzbaren Entwicklungspotenzial für die Zukunft. Das Entwicklungspotenzial betrifft dabei sowohl die betriebliche, betriebswirtschaftliche als auch die technologische und sicherheitstechnische Fortentwicklung.

In insgesamt 40 Plenarvorträgen und 32 Poster-Präsentationen wurden folgende Themen behandelt:

Eine begleitende Fachausstellung mit 35 Ausstellern rundete das Tagungsangebot ab.

Professor Friedrich-Wilhelm Bach (Universität Hannover – Institut für Werkstoffkunde) unterstrich in seiner Begrüßungsansprache als eine grundlegende Philosophie der Kerntechnik das ingenieurtechnische Verständnis auf die energiepolitischen Randbedingungen anzuwenden. Dementsprechend sei auch mit Blick auf die Klimaschutzdebatte die energetische Nutzung der Kerntechnik zukünftig unverzichtbar. Dass eine ausreichende Energieversorgung nicht ohne den Anfall von unerwünschten Nebenprodukten möglich sei, müsse dabei akzeptiert werden. Wichtig sei, so Bach, dass mit diesen anfallenden Reststoffen verantwortungsvoll umgegangen werde, so wie es in der Kerntechnik seit jeher der Fall ist. Dieses Bemühen in den Bereichen Stilllegung und Abfallbehandlung spiegle sich entsprechend im Programm und in den Vorträgen der KONTEC wieder.

Dr. Klaus Komorowski (Bundeministerium für Bildung und Forschung – Referat 413: Stilllegung, Rückbau und Entsorgung kerntechnischer Versuchsanlagen) analysierte in seinen Grußworten einleitend die Gesamtsituation der Kernenergie weltweit. In Anbetracht der weltweiten Fragen zur Energie- und Klimapolitik mit den Schlagworten Klimawandel, Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz sah er die Kernenergie an einem internationalen Scheideweg. Während viele, auch die neuen, Industriestaaten die Kernenergie einer Neubewertung unterzögen – einschließlich Planungen für neue Kapazitäten – habe Deutschland einen abweichenden Weg mit dem Kernenergieausstieg eingeschlagen. Eine Besonderheit der deutschen Forschungspolitik in Sachen Kernenergie sah Komorowski im fehlenden Engagement seitens der öffentlich geförderten Forschung z. B. bei den internationalen Zukunftsentwicklungen, so beim Generation IV International Forum (GIF), bei INPRO (International Project on Innovative Nuclear Reactors and Fuel Fuides) oder auch im Rahmen von GNEP (Global Nuclear Energy Partnership). Als begrüßenswert unterstrich er die Forschungsförderung der Unternehmen E.ON, EnBW, RWE Power und Vattenfall im Rahmen des Kompetenzverbundes Kernenergie. Komorowski sah in seiner Analyse, dass ein vernünftiger Energiemix ohne Kernenergie unter Wahrung der Klimaschutz-Ziele auch für Deutschland nicht machbar sei. Dabei verwies er auf die Notwendigkeit, die Themen Entsorgung und nukleare Sicherheitsphilosophie der Öffentlichkeit glaubhaft zu vermitteln und der Öffentlichkeit zu beweisen, dass die Kernkraft den an sie gestellten Anforderungen gerecht werde.

 

* Auszug aus atw 52. Jg. (2007) Heft 4 - April